Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft
Seit 1953 zeichnet der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft junge starke Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus und würdigt mit einem Fokus auf erzählerischer Prosa, Essay und Lyrik die Vielfalt literarischer Formen und Gattungen. Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro dotiert und wird jährlich an Autor:innen bis zu 45 Jahren verliehen, deren Werke durch hohe literarische Qualität, sprachliche Innovation und ästhetisches Wagnis überzeugen.
Die Jury 2026
Zur diesjährigen Jury unter Leitung von Dr. Marcella Prior-Callwey gehören die Fachberater:innen Maryam Aras (Literaturkritikerin und Autorin), Dr. Ronald Düker (Literaturkritiker) und Barbara Mundel (Intendantin, Münchner Kammerspiele) sowie Mitglieder des Gremiums Literatur des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.
The Shortlist 2026
From twelve authors on the longlist, the jury selected three authors whose works are characterized by bold and sophisticated language and whose impact is particularly evident in their deliberate omissions. Linguistic precision and aesthetic originality were decisive factors in the selection.
We are delighted for:

Nina Bußmann mit Drei Wochen im August (Suhrkamp, 2025)
Nina Bußmann wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren und lebt in Berlin. Für ihre Romane, darunter „Große Ferien“ und „Dickicht“ (beide Suhrkamp Verlag), erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Robert Gernhardt Preis (2019), den 3sat-Preis (2011) sowie das Alfred-Döblin-Stipendium (2022). 2025 erhielt sie das Arbeitsstipendium Literatur des Berliner Senats.
Jurybegründung: In „Drei Wochen im August“ entwirft Nina Bußmann ein Kammerspiel um eine Reisegruppe, für die plötzlich alles sicher Geglaubte auf dem Spiel steht. Ein Paar, eine Familie, vielleicht eine ganze Gesellschaft gerät in Gefahr. Während sich Waldbrände bedrohlich dem Ferienhaus am Meer nähern, seziert der Roman mit psychologischer Präzision die inneren Verheerungen seiner Figuren. Ob das Fegefeuer von innen oder von außen brennt, bleibt das Mysterium dieses Romans.

Marius Goldhorn mit Die Prozesse (Kiepenheuer & Witsch, 2025)
Marius Goldhorn wurde 1991 in Lahnstein geboren und ist Autor des Romans Park (Suhrkamp Verlag) und des Gedichtbandes Yin (Korbinian Verlag). Seine Erzählungen und Essays wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erscheint sein zweiter Roman bei Kiepenheuer & Witsch.
Jurybegründung: Marius Goldhorn ist mit seiner Near-Future-Dystopie „Die Prozesse“ ein vielgestaltiger Gesellschaftsroman für das 21. Jahrhundert gelungen. In reduzierter, zugleich poetisch verschlüsselter Sprache entwirft Goldhorn eine Welt, in der digitale Realitäten, Klimawandel, politische Kämpfe um Umverteilung und koloniale Wiedergutmachung ineinanderfließen. Vor dieser Kulisse erzählt Goldhorn in lakonischer Introspektive eine queere Liebesbeziehung. So entsteht ein Roman von komplexer Erzählkunst, der persönliche Beziehungen und globale Umbrüche ineinander verschränkt und seine Leser:innen mit großer atmosphärischer Dichte in den Bann zieht.

Ozan Zakariya Keskinkılıç mit Hundesohn (Suhrkamp, 2025)
Ozan Zakariya Keskinkılıç, geboren 1989, studierte Politikwissenschaft in Wien, Berlin und Cambridge. 2022 erschien sein Lyrikdebüt „Prinzenbad“ (Elif Verlag), 2023 das Sachbuch „Muslimaniac. Die Karriere eines Feindbildes“ (Verbrecher Verlag). Seine Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u. a. in „anders bleiben“ (Rowohlt, 2023), und in mehrere Sprachen übersetzt. Er wurde u. a. für den Clemens-Brentano-Preis und den Dresdner Lyrikpreis nominiert und erhielt 2025 den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Hundesohn ist sein erster Roman.
Jurybegründung: Witzig und berührend erzählt „Hundesohn“ von einer Identitätssuche im heutigen Berlin. Die Hauptfigur Zeko bewegt sich zwischen Literatur, queerer Dating-App und der Sehnsucht an seine Liebe aus Kindertagen in der Türkei. Die komplizierte Beziehung aus Annäherung, Nähe und Gewalt bestimmen Zekos Handeln, Fühlen und Denken. Keskinkılıçs Roman widmet sich Fragen nach Migration, Männlichkeit und Begehren. So entsteht eine Welt über die Grenzen zwischen Ländern, Sprachen und Körpern hinweg. Aus all dem wird hier große Literatur.
Shortlist-Lesung 2026
7. Mai 2026, 18:30 Uhr
Öffentliche Shortlist-Lesung, Münchner Kammerspiele
Zweite Jurysitzung, Münchner Kammerspiele.
Die drei Finalist:innen der Shortlist geben Einblicke in ihren Schreibprozess und lesen aus ihren Werken - zusammen mit dem Ensemble der Münchner Kammerspiele. Im Anschluss an die Lesung tagt die Jury und entscheidet über die bzw. den Preisträger:in.
Tickets sind über die Website der Münchner Kammerspiele erhältlich.
Weitere Termine
9. Oktober 2026
Szenische Lesung und Preisverleihung im Rahmen der 75. Jahrestagung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

Die Longlist 2026
Die Auswahl traf die Jury zusammen mit externen Fachexpert:innen:

Luna Ali mit Da waren Tage (S. Fischer, 2024)
Luna Ali, geboren 1993 in Syrien, studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim, Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut und Anthropologie an der Universität Leipzig. Sie arbeitete als Autorin u. a. an Produktionen an den Schauspielhäusern Düsseldorf, Dortmund, Hannover sowie in Berlin. 2023 erhielt sie das Arbeitsstipendium für deutschsprachige Literatur der Berliner Senatsverwaltung. Sie lebt mit ihren fünf Mitbewohner*innen in Berlin.
Nelio Biedermann mit Lázár (Rowohlt Berlin, 2025)
Nelio Biedermann, geboren 2003, ist am Zürichsee aufgewachsen. Seine Familie stammt väterlicherseits aus ungarischem Adel, seine Großeltern flohen in den 1950er Jahren in die Schweiz. Biedermann studiert Germanistik und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Sein Roman «Lázár» wird in mehr als zwanzig Ländern erscheinen.


Didi Drobna mit Ostblockherz (Piper, 2025)
Didi Drobna wurde 1988 in der ehem. Tschechoslowakei geboren. Mit drei Jahren kam sie nach Wien, wo sie heute neben ihrer Tätigkeit als Autorin in einem IT-Forschungszentrum arbeitet. Zuletzt erschien ihr viel gelobter Roman Was bei uns bleibt.
Theresia Enzensberger mit Schlafen (Hanser Berlin, 2024)
Theresia Enzensberger, geboren 1986, schreibt Prosa, Essays, Reportagen und Kritiken. 2014 gründete sie das BLOCK Magazin, das mit einem Lead Award ausgezeichnet wurde. 2017 erschien ihr Debütroman Blaupause bei Hanser. Er wurde in mehrere Sprachen übersetzt und mit der Alfred-Döblin-Medaille ausgezeichnet. 2022 erschien ihr Roman Auf See, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war.


Olga Hohmann, „Die Inhaltsproduzentin oder Dienst nach Vorschrift“ in: Olga Hohmann und Chiara Marcassa, Stressed Desserts (windpark books, 2024)
Olga Hohmann schreibt Essays, Prosa-Miniaturen und mäandernde Texte, die zum Vorlesen gedacht sind. In einer fast musikalischen Form verbindet sie mehr oder weniger fiktive Erzählungen mit gefundenem Material, die sich zu einem rhythmischen Rauschen verbinden. Zuletzt trat sie u.a. im Schinkel Pavillon Berlin, der Julia Stoschek Foundation Düsseldorf, den Kunstvereinen in Münster, Bielefeld und München, sowie in der Deutschen Oper und im Roten Salon der Volksbühne Berlin auf. 2022 erschien The Overview Effect im Textem Verlag und 2023 gab sie ihr Prosadebüt in deinen rechten Auge wohnt der Teufel im Korbinian Verlag. Ihr bisher letztes Buch ist das Ende 2024 bei windpark books erschienene Stressed/Desserts.
Alina Lindermuth mit Stammzellen (Kremayr & Scheriau, 2025)
Alina Lindermuth, 1992 in Villach geboren. Nach dem Schulabschluss ging sie nach Indien, im Anschluss folgten Studien der Südasienkunde, BWL und VWL in Wien und Singapur. Ihr Text Zum Schreien (2010) wurde mit dem Bachmann Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Für ihre Romane Die Wahrscheinlichkeit des Zufalls (2020) und Fremde Federn (2023) erhielt sie Preise und Stipendien, u. a. das Reisestipendium des BMKÖS für Sri Lanka, den Bruno-Gironcoli-Förderpreis oder den Sonderpreis des Wiener Werkstattpreises.


Leif Randt mit Let's Talk About Feelings (Kiepenheuer & Witsch, 2025)
Leif Randt, geboren 1983 in Frankfurt am Main, ist der Autor von fünf Romanen und einem Kinofilm. Bisher erschienen sind die Utopien Planet Magnon (2015) und Schimmernder Dunst über CobyCounty (2011), der London-Roman Leuchtspielhaus (2009) sowie die Lovestory Allegro Pastell (2020). Seine Prosa wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2023). Seit 2017 co-kuratiert er das Onlineverlags-Label tegelmedia.net.
Theresia Töglhofer mit Tatendrang (Residenz Verlag, 2024)
Theresia Töglhofer, geboren 1985 in Graz. Studium der Geschichte und der Internationalen Beziehungen in Graz und Paris, dann Stationen in Belgrad, Brüssel, Wien, Osijek und Berlin. Analystin für die Außen- und Erweiterungspolitik der EU. Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u. a. 2015 Jury-Preis für Prosa beim 23. Open Mike, 2017 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, 2019 Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung und 2023 Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises. Theresia Töglhofer lebt in Berlin und in der Oststeiermark. Tatendrang ist ihr erster Roman.


Janin Wölke mit Unendlicher Move (Elif Verlag, 2025)
Janin Wölke, 1982 in Ost-Berlin geboren, als Autorin, Lehrerin und Mutter in Leipzig lebend. Zuletzt Finalistin Lyrikpreis Meran 2024 und Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds 2024/2025.
Lyrikdebüt was passiert wirklich, wenn wir stolpern?, hochroth Verlag Berlin 2014.
Ihr zweiter Gedichtband unendlicher move erschien im Elif-Verlag 2025.
In ihren dramatischen und lyrischen Texten beschäftigt sich Janin Wölke immer wieder mit Fragen der Identität und Sozialisation, mit Sorgegeflechten und Geschlechterrollen. Zuletzt entstand so das Langgedicht unendlicher move als Collage aus Popsongs, Disney, Edmund Husserl, Zeitungsartikeln, Roland Barthes, Kindersprache und Laurie Penny.
Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft wird von der Deutsche Bank Stiftung gefördert.




