Laudatio Kleine Unternehmen

Peter Spuhler, Generalintendant Badisches Staatstheater Karlsruhe
Deutscher Kulturförderpreis 2017, Peter Spuhler (Generalintendant Badisches Staatstheater), Laudator „Kleine Unternehmen“ © Holger Talinski
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Preisträger,

Tübingen ist nicht nur eine Stadt der großen Denker und Wissenschaftler, Tübingen ist auch eine Stadt der Bücher – und, natürlich, der Buchhandlungen. Vom kleinen Balkon meiner ehemaligen Tübinger Wohnung am Holzmarkt hatte ich die Chance, auf eine dieser Buchhandlungen zu blicken. Hermann Hesse hatte hier seine Buchhändlerlehre gemacht. Mehrere weitere gab es dann gleich um die Ecke.

Man stößt vielfach in Tübingen auf sie – und das ist gut so. Handelt es sich doch nicht um Filialen großer Ketten, sondern um unterscheidbare Einrichtungen, die zum Lesen, Stöbern, Entdecken einladen. Individuelle Orte, an denen man sich gerne aufhält und in denen man von den Buchhändlerinnen und Buchhändlern kompetent beraten wird. Jede dieser Buchhandlungen hat ihr eigenes Profil, ihre Tradition und ihre Persönlichkeit. Und sie stehen gemeinsam in einem freundlichen Wettstreit um die besten Ideen, wie sie durch ihre Existenz und ihre Arbeit einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen können.

Ich freue mich sehr, dass heute eine dieser Buchhandlungen mit dem Deutschen Kulturförderpreis in der Kategorie „Kleine Unternehmen“ ausgezeichnet wird. Es handelt sich um einen kleinen Buchladen mit christlichen Profil; im besten Sinne des Wortes ein Familienunternehmen. Seit 2004 engagiert sich „WEKENMANN – Bücher, Licht & mehr“ für die Förderung junger Literaten und veranstaltet jährlich einen Schreibwettbewerb. Wir haben es im Film gesehen: Mit diesem Wettbewerb werden junge Menschen ermutigt, die sie umgebende Umwelt mit literarischen Mitteln widerzuspiegeln und sich als Autoren zu versuchen. Im Zentrum steht jeweils ein aktuelles, auch brisantes Thema. Jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren wird so eine Plattform gegeben, sich schreibend mit der Gesellschaft und ihrer eigenen Lebenswelt auseinander zu setzen. Das Projekt ermöglicht Engagement, Einmischung und persönliche Stellungnahme. In diesem Jahr beschäftigten sich die Teilnehmer unter dem Motto „Mut und Zuversicht statt Ablehnung und Hass!“ mit der Frage, wie die Integration von Geflüchteten funktionieren kann. Das Schreiben geschieht also nicht wahllos: Die jungen Autoren reflektieren aktuelle Themen von gesellschaftlicher Relevanz. Es sind die wichtigen Fragen unserer Zeit, die Wettbewerbsakteure und das kleine Unternehmen gemeinsam diskutieren.

Lesung und Preisverleihung sind wichtig – wichtiger vielleicht noch als das Preisgeld. So erhalten junge literarische Begabungen eine Würdigung, erfahren Aufmerksamkeit in ihrem künstlerischen Schaffen und werden zugleich einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Ich komme noch einmal auf Hermann Hesse. Er beschrieb seine Erfahrung in der Tübinger Buchhandlung wie folgt: „Der Heckenhauer, der Gewalt über mich hat, steht wie ein Berg hinter mir und wirft überallhin einen langen Schatten … das Staubschlucken und Geldzählen macht einen zum elenden Kerl.“

So ganz anders das Engagement, das wir heute würdigen. Es ist aus Sicht der Jury beispielhaft: Junge Literatur von jungen Menschen hat in Deutschland nur wenige Orte der Präsentation. Und es gibt auch nicht viele Förderer, die sich für noch „unerprobte“ literarische Äußerungen einsetzen. Diese Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft und ihren Sprachen verdient Anerkennung. Literatur als Kunstform wird hier in einem Alter und in einem medialen Umfeld Wert verliehen, in dem dies besonders wichtig ist.

Die Jury entschied daher, Ihnen, liebe Familie Beilschmidt, den Deutschen Kulturförderpreis 2017 zu verleihen. Wir versprechen uns davon, dass Ihr Beispiel und Ihr Engagement Schule machen. Setzen Sie Ihren Wettbewerb bitte noch viele Jahre fort!

Herzlichen Glückwunsch!

Für die Jury

Peter Spuhler, Generalintendant Badisches Staatstheater Karlsruhe